Nordwärts zum Sognefjord

Stølsheimen – Etappe 1/4

Di., 18.08. Voss 05:30 – Volahytta 16:00

Vom Bahnhof an ging es hoch, hoch. Es war schwer mit dem vielen Gepäck und untrainiert. Ich sagte mir mehrmals “Weiter, du willst nicht erst Weihnachten ankommen”. Einmal wünschte ich mir sogar, wieder einfach in Oslo rumzuliegen. Sobald ich nach etlichen hunderten Metern oben angekommen war, waren die Strapazen sofort vergessen und ich wurde mit einem großartigen Blick auf das Tal von Voss mit seinem See und den schnee­be­deckten Gipfel auf der anderen Seite belohnt. Ich wollte gar keine Pause machen, ich wollte sofort weiter wandern und kam schnell voran. (Nun erst mal Zähneputzen und dabei die Landschaft genießen.) — Im Anblick eines Wasserfalls fing ich doch einfach vor Freunde an zu lachen — Woooowww (Essenspause; Blick auf einen so hübschen, langgezogenen Berg) — Es kommt mir irgendwie unreal vor, obwohl ja gerade das hier total real/natürlich ist. Sitze an der Kanten zu einem riesigen Tal. Diese Landschaft ist nicht auf Fotos festzuhalten, sie ist einfach unglaublich! — Mittlerweile bin ich so hoch, dass fast alles weiß ist. — Es kommt einem so surreal vor durch ein riesiges Schneetal zu laufen, diese weitläufige Landschaft, die schroffen Felsen die das Tal begrenzen. Und weit und breit ist nichts, nichts als du selbst in mitten dieses riesigen Tals — So langsam wäre eine Hütte in Sichtweite schön, aber der Weg zieht sich … und zieht sich. Schnee. — Amazing (die Natur) — Wann kommt die Hütte? — Die Wanderung war unglaublich anstrengend. Es ging direkt mit der Erklimmung zweier Gipfel los und später kam ein endloses Schneefeld. Aber die Tour war auch unglaublich beeindruckend, vermutlich eine der schönsten [in Norwegen] bisher. Als ich ankam waren auch all die Anstrengungen vergessen. Die Volahytta liegt zwischen mehreren Seen, einem Wasserfall und Bergen. Wow! Das Wasser ist von meiner Veranda aus einen Meter entfernt, aber dieses ist tückisch. Es ist so unglaublich klar und man will baden, aber es fängt aufgrund der Kälte nach zwei Sekunden an zu schmerzen. Großflächig liegt Eis auf dem Wasser. Aber auf der Veranda kann ich nur in Unterhose und Sonnenbrille hocken, weil es so warm ist.

Mi., 19.08. Volahytta 08:00 – Torvedalshytta 14:45

Auf den ersten Metern merkt man die Knochen von gestern. Kurz der Gedanke “Soll ich an der Hütte bleiben?” Nein, es geht los. — Der Anfang war eine Kopfsache. Mein Körper wollte nicht. Aber nach mehreren hundert Metern war das Gewicht auf meinem Rücken und das Wandern wieder okay. Diese schöne Landschaft — Einfach unglaublich in einer so weitläufigen Natur zu sitzen. Nichts außer Steine, Schnee, Wasser und das Rauschen der Wasserfälle — Im T-Shirt den Schneeberg hoch, den einen Fuß vor den anderen – Unten am Schneeberg dachte ich mir nur “F***” und nun bin ich oben. Wie öfters musste ich meinem Körper sagen, dass es oben etwas zu essen gibt, um nicht ständig Pause zu machen, sondern ein Ziel vor Augen zu haben. Also sitze ich hier nun, esse Brezelbrot [Polarbrot, aber ich nenne es so] mit Sjokade [das norwegische Nutella] und genieße den Ausblick. Man freut sich oben auf dem Berg zu sein, aber von hier aus sieht man dann oft die nächsten Berge, die man hoch muss. — Weit und breit nur Schnee. Verrückt, dass hier immer noch Leben ist. Stellenweise ragen die Felsen heraus, auf denen teilweise Moos und anderes Niedriges wächst. Ich sah eine Fliege, einen Käfer und sogar einen einzigen Vogel. Daneben noch weitere Insekten wie zum Beispiel Ameisen. — Die Natur ist so wunderschön. Östlich von mir werden die Berge flacher und sind nur noch stellenweise mit Schnee bedeckt. — Zum Glück kommt der starke Wind von hinten. — Der Wind kommt nun stark von der Seite. Aus Angst meinen Regenschutz (des Rucksacks) könnte (ab-) reißen, hole ich ihn ein. Denn an Regentagen schützt er mein gesamtes Hab und Gut vor Regen. — Gerade lief ich entspannt eine lange Strecke ohne Pause zu machen. Es ging nur gerade und bergab. Die monotone, weiße Schneelandschaft habe ich hinter mit gelassen. Die Vegetation wird wieder mehr, höher und bunter, auch wenn es immer noch karg ist. Muss ich die Höhenmeter später auch wieder hoch? — Vogel Nummer 2 heute. Mühsam kämpft er gegen den Wind. — Ein Schritt auf die nasse Oberfläche und ich rutsche plötzlich weg. Schnee zum Kühlen des Handballs und zum Säubern ist ja genügend da. — Ich musste weiter runter, runter zum Fluss, um diesen zu überqueren. Gerade sitze ich neben der Brücke an einem Wasserfall am Fluss, gönne den Füßen ein Bad im (Eis-) Wasser und esse Kekse :-) Hier ist es grün, die Gewächse werden höher und sogar Bäume gibt es. — Wow! (ins Tal und auf Wasserfälle guckend) — Sitze mit Sonnenbrille und Unterhose auf der Veranda der Hytta [norwegisch für Hütte]. Es ist angenehm warm. Nur der See, auf den ich gucke, ist zu verlockend. Aber er ist eiskalt. Im Gegensatz zu gestern war diese Tour wesentlich einfacher, was aber immer noch anstrengend heißt. Jedoch war die Strecke kürzer und es ging weniger hoch. Dennoch wünschte ich mir gegen Ende die Hütte herbei. — Dinge, mit denen man die ersten ein bis zwei Stunden verbringt: Gucken, wo was ist, aufs Klo gehen, sich [im See] “duschen”, seine Klamotten waschen, Wasser holen, Essen, etc. — Verrückt, allein für mich drei Hütten und ein See. — Verrückt, dass einem nie langweilig wird, obwohl man nichts groß tut. Beim Wandern selbst denke ich fast nur ans Wandern und die Natur. Wo ist die nächste Wegmarkierung? Wie komme ich am besten dorthin? Man guckt auf den Boden und die Schritte wollen überlegt sein. Ist dieser Stein dort wackelig oder rutschig? Ist der Untergrund dort fest genug? Diese beiden Fragen prüft man oft im Kopf. Man läuft oft entgegen von kleinen Bachläufen [, die ins Tal fließen], leicht kann man in einer der vielen Matschstellen landen, in denen dann der ganze Schuhe versackt. Läuft man über Schnee muss man gucken, wo man vielleicht einbrechen könnte. Unter vielen Schneedecken laufen Flüsse, da der Schnee taut. Wenn man Pausen macht. ist man einfach nur froh, dass man gerade eben pausiert, kurz kein Gewicht auf den Rücken hat und vielleicht etwas essen kann. An der Hütte selbst ist man dann erst mal mit den bereits genannten Dingen beschäftigt. Dann wandert man vielleicht noch bisschen in der Nähe der Hütte herum und sitzt [anschließend] einfach vor der Tür, denkt an nichts Wirkliches und genießt die Natur und die Erholung von der Wanderung. — Gerade in Unterhose zum Wasserfall gewandert. — Nachdem Säubern der Hütte und dem Packen des Rucksacks stelle ich draußen fest: Es ist immer noch zu warm für Hose und Shirt. Dabei ist es schon 20 Uhr. — 21:04 Uhr, ich liege im Bett.

Do., 20.08 Torvedalshytta 08:00 – Selhamar 15:30

Die Nacht schlecht geschlafen. Morgens später als geplant aufgewacht und direkt los gegangen. Das Frühstück ist sowieso nicht besonders ausgewogen/viel und kann auch irgendwo in der Natur eingenommen werden. Auch wenn man mit anderen auf der Hütte ist, ist es morgens eher hektisch. Alle wollen früh los, zurück auf den Wanderweg. Entspannte Pausen kann man ja genügend auf dem Weg machen, zum Beispiel an einem Wasserfall. — Die ersten Meter sind anstrengend, ich merke die Knochen von gestern, während es aus dem Tal wieder hoch geht. Zu dem plagt mich ein Schmerz in der linken Bein-Becken-Kugel. — Scheinbar war es die richtige Entscheidung direkt nach dem Aufstehen loszugehen. Ich komme erstaunlich schnell voran und habe das Tal längst hinter mir gelassen. Der Schmerz wird nicht mehr. Ich frage mich, wo er herkommt? Noch gestern Nacht um 2 Uhr, als ich auf Klo musste, humpelte ich zu eben diesem. An dieser Stelle einen Dank an meine Blase. Der Sternenhimmel war wunderschön … so viele Sterne. Doch ich guckte nur kurz [hoch], ich wollte zurück in die warme Hütte und weiter schlafen. Nun geht’s weiter. Vielleicht hat sich mein Körper nach zwei Tagen so langsam ans Wandern gewöhnt? Das anstrengendste ist auch das Tragen des Rucksacks und nicht das Gehen. Dieser wiegt vermutlich an die 13 Kilogramm und ich selbst 68 Kilogramm. Mein Rücken ist es nicht gewöhnt derart viel einen Tag lang zu tragen. — Diese schöne Natur. — Erstaunlich lange (zwei Stunden) gelaufen. Nun gibt es Frühstück und die Zähne werden geputzt. Ausblick: Blauer See, Schneeberge. Rauschen des Flusses neben mir, Bagger-Geräusche in der Ferne (sie bauen einen Damm). — Gerade erschrocken von Schafen, die 1,5m neben mir aus dem Gebüsch sprangen. Immer wieder trifft oder hört man kleine Gruppen von Schafen. — Hihi, so langsam gehe ich horizontal an steilen Schneehängen wie eine Bergziege. — Manchmal kommt man in einen Wandertrott und geht und geht einfach. Dann muss man hin und wieder stehen bleiben, sich umschauen und all das realisieren, anstatt mit einem Tunnelblick weiter zu laufen. — Einfach irgendwo in der Natur Pause zu machen ist großartig. Meistens guckt man auf Wasser. Es ist schon erstaunlich, wie viele Bäche, Flüsse und Seen es hier gibt. So viele! — Am meisten vermisse ich bisher gutes Essen und Trinken. Auf den Hütten gibt es nur Dosenessen und Knäckebrot, nichts Frisches und nur Wasser. Ich freue mich auf die Service-Hütten, wo es eine größere Auswahl und zudem frisches Essen gibt. Aber dies dauert noch viele Tage. — Kaputt vom langen Aufstieg. Windgeschützt strecke ich hinter einem Felsen alle Viere von mir und esse vermutlich gleich was, bevor es noch höher geht. — Ich bin wieder oben, oben in den Schneefeldern. Zur Sicherheit wurde der zweite “Wassertank” gefüllt. Hier oben gibt es primär nur Schneefelder, die Sonne, die vom Schnee reflektiert wird, und die anstrengenden Schritte im Schnee. — Wie weit könnten Schafe eigentlich gucken? — Wie die Tage zuvor, sieht man viele tote Insekten im Schnee liegen, da es so weit oben nicht besonders lebensfreundlich ist. Ich frage mich, was die Insekten hier hoch treibt, viel außer schroffen Stein gibt es nicht. — Es ist so anstrengend (es geht steil bergauf). Verrückt, was für Strecken man zurücklegen kann. Ich sitze am Hang und gucke zurück. Vorhin war ich noch da ganz ganz hinten. Verrückt. — Mh, nehme ich heute die Nudeldose (wenn ich [an der Hütte] ankomme)? — Die Blicke auf die Karte werden häufiger. Es wird anstrengender und ich freue mich auf die Hütte, die soweit nicht mehr sein kann. — Einfach irgendwo in der Natur liegen, sich erholen und den Ausblick genießen. — Es wurden schließlich die Nudeln aus der [Fertig-] Packung und nicht die aus der Dose. — Aus der Ferne sah ich, dass Menschen hier sind und freute mich, da ich seit Tage keine mehr (aus der Nähe und für länger) sah. Jedoch ist es eine Schulklasse und könnte entspannter sein ohne diese. Ich redete ein bisschen mit den Lehrern. Jedenfalls cool, dass sie als Klassenfahrt zu einer Hütte wandern. — Erstaunlicherweise konnte ich noch den Berg hier hoch sprinten, aber ohne Rucksack und mit Sportschuhen ist es ja auch einfacher, — Es kam noch die Hyttevakt [Hüttenwächterin] mit ihrem Mann und Kind. Es war schön, sich mit dieser zu unterhalten. Nun ist es kurz nach 21 Uhr und ich liege im Bett.

Fr., 21.08 Selhamar 07:15 – Åsedalen 15:50

Um 6:30 Uhr klingelt der Wecker, in der Hütte ist es noch ganz ruhig. Nur die nette Hüttenwächterin ist schon wach. Ein “take care” zum Abschied und um kurz nach 7 Uhr geht es los. Windig heute. — Die Schmerzen in der linken Becken-Bein Seite hatte ich heute Nacht wieder, weshalb ich vermute, dass ich mir diese geprellt habe oder so. Und der Schmerz dann kommt, wenn ich auf der linken Seite schlafe, während es beim Gehen nicht stört. Vor paar hundert Metern bekam ich plötzlich starke Schmerzen an einer Stelle auf der linken Rückenseite. Deshalb stöhne ich nun wie ein alter Mann beim Gehen und mache gerade paar Übungen, um dem Schmerz entgegenzuwirken. — Selten war das wieder Aufsetzen des Rucksacks so anstrengend. Aua. Erstmal das Gehirn, wo der Schmerz entsteht, mit einem Schoko-Cookie bestechen. — Immer wieder sieht man rot/rosa verfärbten Schnee. — Ob hier vor nicht so langer Zeit ein Sturm war? Ich stellte einen Wegweiser (Kreuzungsschild) wieder auf und nagelte die Schilder mit einem Stein [wieder] fest. Soll es den nächsten den Weg weisen. Das nächste Kreuzungsschild war ebenso zerstört, weshalb ich mir nicht ganz sicher war, ob ich den richtigen Weg nahm. Ich landete schließlich auf einem alten Wanderweg. Immer wieder die Überlegung, ob ich nicht doch lieber umdrehen sollte? Aber der Weg war immer noch markiert, die Hyttevakt erzählte mir von diesem und ich meinte ziemlich genau auf der Karte zu wissen, wo ich bin. Also ging ich weiter. Ich traf schließlich einen Norweger, ungefähr in meinem Alter. Wir gaben uns die Hand und quatschen ein bisschen. Man tauscht Infos übers Wetter, den Weg etc. aus, die im Zweifelsfall hilfreich sein können. Dann empfahl er mir noch eine Abkürzung. Ich nahm sie, obwohl ich damit, den alten, markierten Weg verlassen musste. Aber ich konnte seinen Spuren im Schnee folgen. Nun bin ich wieder auf dem normalen Weg und mache Pause. Immer wenn man nicht genau weiß, wo man ist, läuft man sehr viel, weil man wieder an eine Stelle kommen will, an der man sich wieder sicher ist. Nun gibt es um 11 Uhr erstmal Frühstück. — Ach ja, diese bezaubernde Natur. Wie der Norwegen eben schon sagte: Die ersten zwei Tage dachte er nur “Norway is the most amazing country.” Na klar, gibt es auch viele andere, schöne Länder, aber für den Moment ist es für einen so. — Warum sind Wasserfälle nur so anziehend (zum Angucken)? — Wie geplant lief ich an einer Hütte vorbei und verließ den Weg anstatt dort zu bleiben. Auf zu einer Hütte am Fjord, zu der kein markierter Weg führt. Bin ich richtig? Es gibt nicht wirklich einen Weg, aber wenn hinter dem Berg ein See ist, bin ich es vermutlich. Es beruhigt mich, dass ich immer wieder Fußabdrücke sehe oder sind es doch Hufabdrücke? In einer sumpfigen Landschaft ist das teilweise gar nicht so leicht zu unterscheiden. — Schließlich drehte ich um. Ich war mir nicht mehr ganz sicher, wo ich war. Und die Unsicherheit stieg, je weiter ich ging. Ich ging auch nur so weit, weil ich wusste, dass hinter mir eine Hütte ist, zu der ich immer nur bergab gehen muss und es noch sehr früh ist. Zudem hinterließ ich bewusst Spuren im Schnee. Vermutlich war es der richtige Weg; am Ende fand ich einen Trampelpfad, aber ich war mir eben nicht sicher. Und die Hütte wäre nur ein bewusster Umweg gewesen. Nun sitze ich weit oben, esse Sjokade und sehe bereits nach 20 Minuten Zurückgehen die Hütte in der Ferne. Der Ausblick ist unglaublich. Ich bin nah am Sognefjord und entsprechend pompös sind die Berge. — 45 Minuten später erreiche ich die Hütte. — Bin ziemlich kaputt und liege auf der Couch-Ecke herum. Die Tage vorher war ich während des Wanderns kaputt. Heute ist es anders herum, ich konnte wandern und wandern ohne viele Pausen. Dafür aß ich gerade “Real Turmat”, welches ich mir mitbrachte. Dies war das Beste, was ich seit Tagen aß. Es ist speziell für unterwegs, sehr energiereich und viel leckerer als das Dosenessen auf den Hütten. Dazu gab es Kakao. Seit Tagen trank ich nur Wasser, wie gut, dass es diesen hier gibt. — Gerade würde ich gerne paar Leuten simsen, aber leider (wie seit Tagen) kein Empfang. — So langsam wieder fitter, es gab aber auch noch Eistee, Cookies und ein Wasa-Sandwich. Zudem verbreitet der Ofen eine angenehme Wärme. Das erste Mal, dass ich einen angemacht habe, aber durch den Wind ist es kalt. — Wie schön es ist, wenn man von draußen vom Klo in das warme Wohnzimmer kommt. Immer wieder verrückt, wie stark so ein Ofen heizt; von 18 Grad auf 26 Grad.

Sa., 22.08 Åsedalen 08:00 – Solrenningen 13:00

Heute der erste Eintrag erst sehr spät. Heute war der erste Morgen, an dem ich zuerst nicht so recht los wollte. Ich merkte nach wie vor die Stelle am Rücken und draußen war es diesig und nass. Es hatte nachts geregnet. Aber um 8 Uhr ging es los. Noch an der Hütte begegnete ich einem norwegischen Mann, der im Stau stand und dann die Nacht irgendwo draußen [im Zelt] verbrachte. Verrückt, ich dachte mir an diesem Abend noch, wie schön es ist, nun in einer warmen, trockenen und windgeschützten Hütte und nicht in einem Zelt zu sein. Dann ging es los; durch eine sehr langgezogene Sumpflandschaft. Da es geregnet hatte und auch noch leicht nieselte war der Boden noch sumpfiger. Immer wieder sacken meine Schuhe weit ein. Schnell ziehe ich sie aus dem Schlamm und schüttele sie ab. — Aufgrund des Regens und der Mücken machte ich wenig Pausen. Bei Sonnenschein setzt man sich doch eher ins trockene Gras, um eine Pause zu machen. Wie auch schon in den Tage zuvor war ich sehr froh über meine Mücken-geschützte Hose. Beim Kauf dachte ich mir noch: Brauch ich das? Es kam immer wieder vor, dass ich durch Sümpfe lief. Heute war es besonders schlimm aufgrund der Feuchte. Um Hände und Gesicht zu schützen nahm ich zum ersten Mal das Mückenspray zur Hand. — Der Ausblick gerade ist so schön. — Wie schön diese Natur geformt wurde oder eher sich geformt hat: Die Seen, Berge, Wälder, Wasserfälle, … — Der zweite Abschnitt des Weges war komplett präpariert. Dieses war eine willkommene Abwechslung zu der Sumpf-/Dschungel-Durchwanderung zuvor. Seit Montag ging ich nicht mehr auf so einem guten Weg. Er war mit Holzplanken und Steinen ausgelegt. Auf diesen kommt man natürlich wesentlich schneller voran, als alle paar Meter einzusacken beziehungsweise die Matschlöcher zu umgehen. — Auf dem Weg zur Hütte begegnete ich drei Leuten mit vielen Werkzeugen [in der Hand und auf dem Rücken]. Ich dachte mir, dass sie wie drei Sherpa aussahen, wie sie am Mount Everest arbeiten und die in Norwegen abgesetzt wurden. Heute ist Samstag und die Hütte ist voll; es sind über 25 Leute da, viele Familien. Ich erfuhr, dass es tatsächlich echte Sherpa aus Nepal waren. Sie präparieren hier die Wege und werden dafür verglichen mit ihrem Heimatland gut bezahlt. Auf dem Weg fragte ich mich schon, wer überhaupt diese Wege präpariert. Norweger selbst dürfen laut Gesetz nicht mehr als 20kg tragen [- wie ich gelernt habe -] und die Sherpa bewegen Unmengen an Steinen und Holz. — So viele Menschen hier. Ich werde müde und es ist geschätzt erst kurz nach 20 Uhr.

So, 23.08 Solrenningen 07:15 – Norddalshytten – Brydalseter 19:00

Nun sitze ich wieder hoch oben in den Bergen und schaue aufs Tal, in dem die Hütte liegt. Um halb 7 Uhr wachte ich auf und wollte gleich los. Ich hatte in Erfahrung gebracht, dass heute ein sehr schöner Tag werden soll. Es war noch ganz still in der Hütte, nur eine Frau und eine Mutter samt Baby waren bereits wach. Der Mopsarm des Babys wurde mir zum Abschied von der Mutter gewinkt. — Ich freue mich darauf, in zwei drei Tagen in einer Stadt einkaufen zu können. Schon gestern ging mir durch den Kopf, was ich Leckeres kaufen könnte. – Ich muss einen Schneeabhang herunter. Der Schnee ist hart gefroren und vom Schmelzen und wieder Frieren [sehr] glatt. Ich versuche meine Hacken möglichst doll in den harten Schnee zu hauen, um halt zu finden. In der Senke wartet ein Fluss. — Ich bin drüben. [Erleichterung.] — Hihi, irgendwo in der Natur sitzen, einen Cookie essen und “natürlich” auf einem Wasserfall schauen. In der Ferne hört man die Glocken der Schafe, die man immer und immer wieder trifft. — Seit Stunden laufe ich durch den Schnee im Sonnenschein. — Der Schnee ist sehr weich und meine Schuhe entsprechend nass. So weit ich gucken kann nur Schnee und Berge und noch mehr Schnee. — Wie hoch ich wohl gerade bin? Ich sehe viele Bergspitzen, aber keine ist wesentlich höher. Mehr und mehr nähere ich mich meinem ersten Teilziel, dem Sognefjord. — Der Gedanke an leckeres, frisches Essen lässt mich nicht los. — Wieder mal ist es verrückt hier oben zu sitzen. Alleine als kleiner Punkt in dieser riesigen Welt. — Sind die Berge in der Ferne vielleicht schon auf der anderen Seite des Sognefjords? — Gerade mehrmals mehrere Meter den Schneeberg heruntergerutscht. — [Ich pausiere an der Norddalshytten Hütte.] Es ist immer spannend zu schauen, was die Hütten an Proviant im Lager haben, denn dies ist nicht immer gleich. Gerade entdecke ich in einer Hütte Bacon Ost [Käse], welchen ich gerade vor der Tür im Sonnenschein auf meinem Lompe [eine Art Kartoffelfladen] esse. Mmh. — Ich bin kaputt, aber eben auch bald seit 10 Stunden unterwegs. Meine Füße bekommen ein Bad, während eine Eisscholle an mir vorbei schwimmt. — Episch! (Anblick des Sognefjords) — Ich gehe in Mitte eines circa 200m breiten Schneefeldes. Dieses fällt steil ab und vor mir erhebt sich der Sognefjord in seiner vollen Pracht. Ich sehe das Wasser, die Berge auf der anderen Seite und den Ort Ortnevik, von dem aus ich Morgen die Fähre nehme. Ich setze mich und genieße diesen unglaublich wunderbaren Anblick. Aber es ist bald 7 Uhr, ich muss weiter. Es ist ein langer Abstieg. — Die Schneefelder sind so steil, sodass ich sie auf meinen Schuhen wie auf Ski runterfahren kann. Sogar zu lenken vermag ich. Solange man dies unter Kontrolle hat, ist es echt spaßig. — Aus der Ferne sehe ich die Hütte. — Nach fast 12 Stunden Wanderung endlich endlich angekommen. Das war hart, aber meine Wahl. Ich hätte die Strecke auch in zwei Etappen laufen können, aber ich wollte lieber eine lange. Die Hütte ist sehr klein und ähnlich zu denen in Oslo; ohne großen Komfort. Nach den luxuriösen Hütten zuvor, muss ich mich erstmal umstellen. In diesen gibt es meist ein Waschbecken mit Ablauf, gutes Brennholz samt Brennpaste und sie sind groß und hell. Hier ist das Brennholz feucht und von minderer Qualität. Der Ofen will nicht angehen. — Schließlich sitze ich in einer warmen Hütte; frisch “geduscht” mit einem Teller Essen auf dem Tisch vor mir. Der Ausblick [aus dem Fenster] zeigt den Fjord. — Ich habe das erste Mal wieder Handyempfang und greife zum Hörer. Ein paar Lebenszeichen senden, sich kurz mit lieben Menschen unterhalten. — Ich will nur noch ins Bett.

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