Südwärts nach Finse

Skarvheimen / Aurlandsdalen – Etappe 4/4

Sa., 05.09 Bjordalsbu

Ab 7 Uhr wachte ich mehrmals auf. Die Zeit, zu der ich ansonsten aufstehe. Ich versuche weiter zu schlafen, aber kurz nach 8 Uhr stehe ich schließlich auf. Der Morgen startet langsam, der Tag von gestern steckt mir in den Knochen. Erst mal bringe ich die Hütte zum Laufen: Wasser holen, Kamin anfeuern, Holz auffüllen. — Es gibt Frühstück. Zunächst habe ich gar keinen Hunger, aber nach dem ersten Bissen kommt dieser. Es gibt unter anderem wieder Havregrøt mit Sjokade, der gleiche Mix wie gestern. — Die sympathische Frau [, die ich gestern am späten Nachmittag auf dem Weg traf,] ist vorbeigekommen und trocknet ihre Sachen. Währenddessen haben wir ein überaus nettes Gespräch. — Es gibt ein zweites Frühstück: Paar Scheiben Knäckebrot, lecker bestrichen. — Ein paar Nudeln zum Mittag; als kleiner Snack. Es ist Mittagszeit und paar Wanderer kommen vorbei, um Pause zu machen und etwas zu essen. — Bisher hat sich mein Equipment gut geschlagen. Bereits vor vielen Tagen löste sich ein Teil meiner Schuhsohle durch die viele Nässe ab, aber mit Sekundenkleber lässt sich das wieder fixen. Meine Regenhose hat einen 5cm langen Riss an einer Naht, was sich auch kleben lässt. Mein Kugelschreiber, den ich immer in der Hosentasche trage, ist mehrmals gebrochen und wurde vor Tagen getapt, nun aber letztendlich (bis auf die Mine) entsorgt. Während der Tage schrieb ich mir einige Sachen auf, die ich für die nächste Wanderung gegebenenfalls mitnehmen sollte, wie zum Beispiel Klebeband, GPS, etc. — Eine halbe Packung Kekse. Es ist enorm, was ich im Vergleich zu normal esse. — Nur kurz sitze ich draußen, wie meistens verbringe ich die Zeit an den Hütten in diesen. — Und eine Portion Havregrøt. — Und Knäckebrot mit Käse und eins mit Sjokade. — Ich bin eingeschlafen. — Um vor 8 Uhr ist mein Hunger immer noch weg, aber dennoch esse ich ein bisschen was. — Ein Buch im Kerzenschein in einer warmen Hütte mit einer heißen Schokolade und Schokokeksen lesen; es gibt wenig so entspannende Dinge, oder? Schokokekse in die heiße Schokolade tunken, mmh. Die Welt ist gerade (jetzt für diesen Moment) ziemlich gut. Yeah!

So., 06.04 Bjordalsbu

Lange habe ich gestern noch gelesen und schlief bis 8:20 Uhr, was (momentan) relativ lange ist. In meinem “normalen” Leben wäre dieses relativ früh. — Es ist bereits fast 1 Uhr. Nach dem Frühstück wanderte ich den Berg vor der Hütte hoch. Dort oben setzte ich mich und genoss den Sonnenschein und den wunderbaren Ausblick auf den See und auf die Hütte. Verrückt, diese Hütte steht einfach irgendwo im Nirgendwo. Anschließend stand wieder groß waschen und trocknen auf dem Plan, zudem kochen. Das restliche Essen von gestern Abend wurde in der Pfanne mit bunten Nudeln kombiniert. Nun bin ich froh, dass erst mal alles “fertig” ist. Die Sachen trocknen am Ofen und müssen hin und wieder gewendet werden, mein Magen ist mit dem leckeren Essen gefüllt und die Hütte aufgeräumt. — Hätte ich einen PC mit Internet hier, könnte ich echt lange (!) auf dieser Hütte wohnen mit allem, was eben dazu gehört (kein fließend Wasser, Handwäsche, etc.) — Manchmal kommt es mir unwirklich vor. Alle anderen Wanderer sind längst weg. Alleine sitze ich hier irgendwo im nirgendwo hoch über dem Meeresspiegel barfuß vor der Hütte, lese ein Buch, esse Cookies, lasse mich von der Sonne wärmen und schaue auf einen wunderbar blauen See und die grauweißen Berge. Verrückt, dass ich hier bin. Es war eine gute Entscheidung nach Norwegen zu gehen. — Mittlerweile sitze ich schon echt lange draußen im Sonnenschein, lese, denke nach und entspanne. Da biegt doch tatsächlich das norwegische Pärchen (das fünf Monate wandert), um die Ecke. Ich bekomme ein “Is dinner ready?” zu hören :-) — Jeder der gestresst ist, sollte wandern gehen und Zeit auf einer Hütte verbringen. Es gibt wohl wenig besseres als “Medizin”, hier fernab von der Zivilisation und ohne Termine. — Zum Abendessen gibt es eine Packung Real Turmat, die ich nun seit drei Wochen mit mir herumschleppe, gemischt mit der restlichen Packung bunter Nudeln. — Verrückt, nun bin ich fast seit drei Wochen draußen in der Natur. Dies macht einiges mit einem. Man gibt sehr acht auf die Natur und versucht keinen Müll in dieser zu hinterlassen. Fast jedes noch so kleine Plastikteil fällt einem sehr als Fremdkörper auf, aber man sieht zum Glück selten welches. Zudem versuche ich die Tiere nicht aufzuschrecken beziehungsweise zu stören. Ich sehe es als ihren Lebensraum und nicht als meinen an. Aber insbesondere Schafe schreckt man natürlich immer wieder auf, auch wenn dies nicht meine Absicht ist. Ein weiterer Aspekt ist, dass man mehr “mit” der Natur lebt. Dreck stört einen zunehmend weniger. Läuft man an einem Fluss vorbei, nutzt man diesen vielleicht fix zum Waschen der Regenhose. — Der Nachthimmel mit seinen Sternen ist hier draußen – wie auch gestern – einfach unglaublich. Aber es ist zu kalt, um lange draußen zu bleiben.

Mo., 07.09 Bjordalsbu 09:15 – Iungsdalshytta 14:15

Es ist sehr nebelig, aber es passt zu der steinigen Landschaft hier oben. Von der Hütte aus ging es noch weiter nach oben. Schroffer Stein weit und breit und um einen herum nur weißgrauer Nebel. — Es ging weiter hoch. Meine Hütte war auf über 1500m, also bin ich nun vielleicht auf 1650m. Ich kann weit weit nach Süden schauen. Vielleicht sehe ich sogar schon die Berge an meinem Zielort. Dieser liegt auf 1222m. — Die graue Felslandschaft hat sich in eine beeindruckende, grüne Berg- und Hügellandschaft verwandelt. Es sieht wunderschön aus. — Ich kann mich gar nicht satt sehen. — Immer wieder traf ich das norwegische Pärchen, wenn sie oder ich hinter einem Felsen Pause machten. — Ganz unerwartet erscheint die Hütte hinter den Felsen, noch hatte ich gar nicht mit dieser gerechnet. Vor zwei Tagen musste ich ein bisschen über mich selbst lachen, als ich auf der Karte sah, dass der Weg fünf bis sechs Stunden dauert und ich nur dachte “Ach, das ist ja nicht so viel.” Zuhause würde ich denken “Fünf Stunden laufen? OMG ist das viel.” — Obwohl heute Montag sein müsste, ist es [in der Hütte] bereits voll, was daran liegt, dass eine große Wandertruppe norwegischer Rentner angekommen ist. — In 15 Minuten gibt es Essen. Aber der Hunger ist gar nicht so groß. Die letzten zwei Tage aß ich sehr viel. Kochte gestern zwei Mal groß. Zudem wanderte ich heute “nur” fünf Stunden eine nicht allzu anstrengende Stecke. Dennoch freue ich mich auf das Essen gleich, aber noch mehr freue ich mich auf das Frühstück. Das Essen der ersten Tage wurde mittlerweile durch Kombination mit anderen Dingen und eigenem Kochen viel abwechslungsreicher. Zudem aß ich zwei Mal bei der deutschen Wandergruppe mit. Da gab es zum Nachtisch Vanillepudding beziehungsweise Pfannkuchen mit Ananas, Pfirsich und anderen Früchten. All das, bis auf den Pudding, gibt es auf vielen Hütten. Das [gekaufte] Brezelbrot und auch Lompe sind natürlich schon seit etlichen Tagen leer. Neben Havregrøt mit Zucker oder Sjokade besteht das Frühstück deshalb aus Knäckebrot. Ich freue mich auf frisches Brot und andere Leckereien.

Di., 08.09 Iungsdalshytta 09:45 – Kongshelleren 15:15

Frühstück essen. Mmh frisches Brot, Saft, Tomaten, Paprika und Joghurt. — Sachen zusammenpacken und bezahlen. — Ein zweites Mal frühstücken. — Ich laufe in einem Tal umgeben von grünen Bergen; ein schöner Anblick. Es ist erstaunlich warm. — Heute bin ich irgendwie ein bisschen träge und mache gefühlt viele Pausen. Aber es ging bisher auch nur bergauf und ich aß morgens sehr viel. Aber ich weiß auch, dass heute eine kurze Strecke mit nur bisschen über fünf Stunden wandern auf dem Plan steht. Gerade mache ich Pause an einem See, esse ein bisschen was und halte meine Füße in das kalte Wasser. — Die Sonne scheint und ich laufe entlang des blauen Sees. — Es ist so wunderschön warm. Ich laufe ohne Jacke (und gerade auch ohne Rucksack) herum. Immer noch an dem See (es ist ein sehr langer See). — Ich balanciere von Stein zu Stein über ein sehr breiten, aber auch sehr flachen Fluss. Platsch! Ich stehe mit einem Fuß im Wasser. Abgerutscht. — Es ist windstill, die Sonne scheint von oben und ich laufe über ein Schneefeld. Es kommt mir aufgrund der Hitze vor wie in der Wüste. — [An der Hütte angekommen.] Ach ja, nach dem Baden draußen auf der Veranda die Sonne genießen. Das Leben ist schon gut. Gebadet, Sonnenschein, Schokokekse; was will man mehr. — Gegessen wird ebenfalls draußen. Es ist einfach so schön sonnig und warm. — Auf meinem Weg traf ich immer wieder das norwegische Pärchen. Gerade fragte ich sie nach Sekundenkleber. Zum Glück haben sie welchen und fixen auch gleich erst mal ihre eigenen Schuhe. Meine drohten vorne immer weiter aufzubrechen, weshalb es echt gut ist, dass sie Kleber für mich hatten. Nur wie immer bei Sekundenkleber sind nun auch meine Finger voll damit. — Inzwischen ist die Sonne hinter dem hohen Berg verschwunden und ich bin mit meinen Sachen in die Hütte gezogen. — Ich habe schließlich mein Buch durchgelesen. Ein dicker Wälzer, den ich aus der Hütte Slettningsbu mitnahm. Normalerweise hätte ich dies Buch wohl nicht gelesen, aber ich fand gefallen an diesem und habe damit so einige Stunden in diversen Hütten verbracht. Meine [Zeitschrift] GOElino tauschte ich mit dem einen Deutschen gegen das Magazin von Amnesty International. Wir hatten unser Magazin jeweils durchgelesen. Vom Amnesty Magazin verbrannte ich immer seitenweise etwas, um Gewicht zu sparen. Jetzt bleibt nur noch mein eigenes Buch. Dies ist sehr dünn, doch ich las immer nur ein bisschen – in schönen Momenten – darin, um es mir aufzuheben. Verrückter Weise passt es ganz gut zu diesem Trip und meinen Gedanken, die ich mir über die anstehende Arbeitswelt mache. Nebenbei las ich noch in etlichen norwegischen Magazinen und Büchern herum. Gerade eben war es die norwegische Version von Pettson und Findus. — Ach ja, wie klein die Welt doch ist. Der Mann von dem norwegischen Pärchen traf eine Arbeitskollegin auf dieser Hütte; weit weit weg von ihrem Arbeitsplatz. — Oh, ich muss wohl wieder nach Norwegen. Jetzt haben mir schon mehrere Leute ein bestimmtes Gebiet als wirklich unglaublich schön empfohlen. — Diese Sterne hier [am Nachthimmel]! Wow. Gute Nacht.

Mi., 09.09 Kongshelleren 08:30 – Østerbø Fjellstove 16:00

Ein zweites Mal verabschiede ich mich von dem norwegischen Pärchen. Schon einmal dachten wir, dass wir uns nicht mehr sehen. Die beiden sah ich nun für echt viele Tagen und schlief oft mit ihnen in einer Hütte. Ein kurzes, gedachtes “Ach” und dann geht es los. — Es ist sonnig. Nun schon, auf den ersten Metern, ziehe ich meine Jacke aus. — Nach drei Stunden erreiche ich die Kreuzung und biege nach rechts ins Aurlandsdalen ab. Ein schöner Anblick ergibt sich mir. — Der Wanderweg ist einer der schönsten bisher; er ist definitiv atemberaubend. Ich kann gar nicht aufhören zu gehen. Es ist ein kleiner Trampelpfad, der auf und ab entlang des östlichen Berghangs verläuft. Der Weg ist sehr weit oben, links neben einem geht es steil runter. Unten in diesem grünen Canyon ist ein Fluss und eine Straße. Auf der gegenüberliegenden Seite ebenfalls ein grüner Abhang. Der Weg schlängelt sich vorbei an vielen, verschiedenen Pflanzen und an steilen Felswänden … und natürlich an Wasserfällen. Ich sehe mehrere kleinere, aber überaus schöne Wasserfälle. — [An einem dieser Wasserfälle.] Ich kann mich mal wieder nicht satt sehen: Die einzelnen Wasserperlen, die die Felswand herunterfliegen und in der Sonne funkeln, diese Artenvielfalt an Pflanzen, der Blick in den Canyon und auf die gegenüberliegende Seite. Phänomenal. — Dieser Weg; wie er sich hoch und runter entlang des Hangs schlängelt. So wunderschön. — Ich mache eine Pause und komme mir vor wie ein Adler, der weit oben sitzt und von dort alles im Blick hat. — Schließlich erreiche ich die Ferienanlage. Es ist ein großer komplex bestehend aus vielen Gebäuden. Schnell verwandele ich mich. Eben noch der relativ verdreckte, verschwitzte, bestimmt riechende Junge eingekleidet in Outdoor-Sachen und nach der Dusche der Junge in den lässigen Shorts, blauem Shirt und dazu die schwarze Sonnenbrille. Ich hocke draußen in einem Gartenstuhl, die Füße hochgelegt und der Sonne entgegen schauend. — Ach ja, entspannend im Gartenstuhl die Sonne genießen … noch immer. — Ich komme mir ein bisschen komisch vor. Es ist eher eine Anlage für Touristen (Camper etc.) und ich bin die reinen Wanderhütten gewöhnt. Ich habe einen Schlüssel für mein Zimmer, was mir komisch vorkommt und mich stört. Egal ob in einer einfachen oder einer bediensteten Hütte, alle Türen sind immer offen. Höchstens die Haustür muss man aufschließen, wenn man als erster ankommt. Aber keinen der Räume kann man überhaupt zu schließen. Um Punkt 18:30 Uhr sitze ich schließlich im Speisesaal; alleine an dem Platz, der mir aufgrund meiner Zimmernummer zugewiesen wurde. Die Plätze sind über alle Tische verteilt. In Wanderhütten gibt es nur eine Zeit, zu der es Essen gibt und da alle wandern waren, sind auch alle hungrig. Fast immer gibt es um 19 Uhr Essen. Kurz vor 7 Uhr füllt sich dann immer der Wohnraum und wenn um 7 Uhr die Türen zum Speisesaal aufgehen, strömen sofort alle hinein. Jeder hat Hunger. Man sitzt zusammen mit anderen am Tisch. — Gerade mache ich mir Gedanken darüber, dass in Hütten das Essen auf den Tisch gestellt wird und man sich dieses mit allen auf dem Tisch teilt. Folglich kann man sich oft nachnehmen; es gibt immer viel Essen. Meine Portion hier war zwar lecker, aber ich habe noch Hunger. Da reißt mich ein “Do you want something more? A refill?” aus meinen Gedanken. Für den Moment sind es die schönsten Worte, die ich höre. Ich bekomme einen zweiten Teller voll mit Essen. — So langsam sind mir die Gepflogenheiten beim Essen sehr vertraut. Es ist fast immer gleich: Entweder es steht schon da oder wird direkt gebracht: Wasser, Brot, Margarine und Marmelade. Während man das erste Brot isst, kommt die Suppe. Es folgt der Hauptgang, der oft Kartoffeln beinhaltet, für die erneut die Marmelade ins Spiel kommt. Es folgt ein Dessert. Dann gibt es immer [Earl Grey] Tee und Kaffee. — Haha, da zahlt man viel Geld und Schwups fällt der Strom aus. Egal; Kopflampe aufsetzen und aufs WCs gehen. Ich bin es ja nicht anders gewöhnt. — Wie ich erfahre ist der Strom im gesamten Gebiet ausgefallen. Ich schnappe mir aus der Bibliothek das Buch “Schönes Berlin”. — [Fließendes] Wasser gibt es auch keines mehr, aber dieses hängt mit dem Stromausfall zusammen, wie mir gesagt wurde. Aber alles halb so wild: Das Restwasser aus meiner Trinkflasche reicht zum Zähneputzen; anstatt das Wasser aus dem Spülkasten gegenüber von meinem Raum aufzubrauchen, gehe ich auf eines der Klos im Hauptgebäude. Auf dem Weg zurück nehme ich mir noch ein Teelicht aus irgendeinem Raum mit, indem kein Mensch war. Zurück im Zimmer krame ich meine Streichhölzer raus. Das ist ein Vorteil in den Hütten: Mit Gasherd und Holzofen ist man (soweit genügend Gasflaschen und Holz vorhanden sind, was generell der Fall ist) autark was die Küche und die Wärme betrifft.

Do., 10.09 Østerbø Fjellstove 09:00 – Sinjarheim – Østerbø Fjellstove 17:30

Es gibt ein leckeres Frühstück; ich mache mir unter anderem Käse-Schinken-Paprika-Tomaten-Gurke-Bacon Brote. Heute geht es ohne Wanderrucksack soweit wie möglich ins Aurlandsdalen, bevor ich umdrehe und teils den gleichen teils einen anderen Weg zurückgehe. Der Vorteil des schweren Rucksacks ist, man hat immer alles dabei. Nun muss ich überlegen, was ich mitnehme. Ich packe die Lippenpflege und Handcreme ein; beides habe ich [ansonsten] immer ganz vorne im Rucksack. Lippen und Hände werden oft nass und sind allgemein sehr dem Wetter ausgesetzt. Dazu Sonnencreme (meine Mutter wäre stolz auf mich) und Tape für die Füße. Bisher brauchte ich dieses noch nicht, aber ich will weit laufen und niemand will dies mit kaputten Stellen am Fuß, die immer mal auftreten können. Außerdem noch ein bisschen Klopapier, was ich sehr sehr wahrscheinlich nicht brauche, aber es ist gut zu wissen, welches dabei zu haben. Man kann ja auch mal was falsches gegessen haben. Des Weiteren Seile und mein “Deutscher Bundestag”-Stoffbeutel. Aus beidem will ich mir auf dem Weg etwas Rucksack-artiges bauen. Hier vielen Dank an meinen Bruder für das Seil. Dieses war schon [während meiner letzten großen Wanderung] in Trolltunga. Und die Stofftasche, deren Farbe ich liebe, wanderte schon die Berge in Bergen hoch. In der Tasche sind meine Trinkflasche und mein Lunchpaket, aufgrund dessen Umfang sogar die Kekse zurückgelassen wurden. Und zu guter Letzt stecke ich noch mein Survival Kit bestehend aus unter anderem Kompass, Spiegel und Trillerpfeife ein. — Es ist warm; nur im Sportunterhemd laufe ich den Weg entlang. — Wie so oft gibt es nach zwei Stunden die erste, große Pause. Mmhh ist das Brot lecker. Der Weg ist schön; ich laufe tiefer und tiefer in das grüne Aurlandsdalen. Nur die vielen Insekten stören. — Das Aurlandsdalen ist bekannt und ich sah Bilder von diesem. Anders als sonst waren meine Erwartungen hoch, aber bisher fehlt noch das “Wow”. Aber dann ging der Weg weiter runter und plötzlich war dieser Moment da. Nun verläuft der Weg an dem Fluss und schlängelt sich durch die grüne Natur, über Felsen hinweg und an steilen, hohen Felswänden vorbei. Nun laufe ich fast ganz unten im Canyon, eingerahmt von den grünen Bergzügen links und rechts. — Plötzlich lande ich in mitten einer Schulklasse; vor mir eine Gruppe und hinter mir eine. Ich muss aufpassen, nicht zu schnell zu laufen. Die Kinder sind flott unterwegs. Verrückt, das, was ich als spektakulären Abenteuerurlaub mache und wofür ich einiges an Geld zahle, machen diese Kinder als Schulausflug. Es ist nun schon die dritte Klasse, die ich treffe. — Es ist anstrengend, aber der Aussichtspunkt ist nicht mehr weit. Ich sah diesen auf der Karte, war mir aber unsicher, ob ich diesen erreichen werde. Der Plan war fünf Stunden laufen, gegen 14 Uhr umzudrehen und fünf Stunden zurückzulaufen, sodass ich gegen 19 Uhr zurück bin. Bis 8 Uhr gibt es schließlich Essen. — Wow, eine kleine Brücke führt über einen beeindruckend langen Wasserfall. — Der Weg ist nach wie vor überaus schön. — Ich bin am Aussichtspunkt Sinjarheim und die Schulklasse ebenfalls. Es stehen hier mehrere Hütten. Früher war es vermutlich mal ein Bauernhof. Ich mache nur eine kürzere Pause; man kann nicht besonders weit sehen. Ich habe insgesamt fünf Brote mit, die sich einfach aufteilen: Zwei für den Hinweg, zwei für den Rückweg und eins für den Wendepunkt. Nun gibt es das zweite, frisch gebackene Brot mit Käse, Schinken, Gurke, Tomaten, Paprika und Bacon. Verdammt schmeckt das gut. Ansonsten gibt es unterwegs nur Knäckebrot mit Sjokade, Bacon Ost oder fertig als Sandwich von Wasa, welche es in verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt. Und eben Kekse. — Es ist kurz nach 1 Uhr. Ich beschließe, ich laufe noch so lange weiter, wie ich mag und drehe dann um. Vor mir macht der Canyon eine Kurve, um die ich noch gucken mag. Auch wenn es steil bergab geht, gehe ich diesen Weg mit der Gewissheit gleich wieder alles zurück bergauf zu gehen. — Es lohnt sich, der Weg ist wunderschön und vor mir bauen sich riesige, grüne Berge auf. Aber viel beeindruckender als der Blick geradeaus ist der Blick zurück. Es ging weit runter und nun schaue ich zurück auf eine spektakuläre Felsformation. An einer Stelle läuft ein Wasserfall die steilen Felsen hinunter. Zwischen den Felsen läuft der grünblaue Fluss. Der Ausblick ist atemberaubend; ich setzte mich. — Noch immer genieße ich den Anblick. Wow! Dafür hat sich der Weg gelohnt. Ein weiteres Highlight auf dieser Tour. — Schließlich schmunzele ich aufgrund des schönen Anblicks, stehe auf und gehe zurück. — [Zurück] am Aussichtspunkt, den die Schulklasse in der Zwischenzeit verlassen hatte, mache ich noch eine längere Pause. Der Anblick, die Felsen hoch zu schauen, ist schön. — Ach und nun den ganzen Weg zurück. — Es ist anstrengend. Ich mache mehrmals Pause. Es wunder mich, da ich heute ganz ohne Gepäck unterwegs war. Ich bin echt kaputt, vermutlich lief ich schneller und weiter als sonst. Zudem ist es sehr warm. — Mich nerven die Schilder mit den Kilometerangaben. Normalerweise stehen nie irgendwo Kilometerangaben. Sie sagen auch nicht viel aus. Beim Wandern kann ein Kilometer ein paar Minuten, aber auch eine Stunde sein. Aber hier steht jeden Kilometer ein Schild, was mir verdeutlicht, wie weit es noch ist beziehungsweise das ich nun gerade mal 1000 Meter weiter bin. — Endlich endlich kommt die Kreuzung, ab hier ist es nicht mehr weit. Aber der Weg bis hierhin war überaus schön. Auf dem Rückweg wählte ich den Weg unterhalb statt oberhalb des Berges. Dieser gefiel mir um einiges besser. Er schlängelt sich direkt entlang des Flusses, es geht auf und ab und über Felsen und an steilen Felswänden vorbei. — Ich bin kaputt; noch 3km. — Noch 2km. — Ich sehe mein Hotel. — Fein säuberlich packe ich alle Sachen wieder in meinen Rucksack und dann gibt es einen Cookie. Und gleich noch einen hinterher. — Ich duschte lange. Es war eine Dusche ohne Zeitschaltuhr. Jetzt sind es auch nur noch paar Minuten bis zum Essen. — Heute gibt es keinen “Refill” :-(, aber durch das große Lunchpaket bin ich auch nicht so ausgehungert. — Ach ja, an so einige Dinge könnte man sich gewöhnen. Da wären der Tee abends nach dem Essen und die selbst eingeführte Knäckebrot-Zeit kurz vorm Schlafengehen. Das norwegische Pärchen aß ebenfalls oft abends noch ein paar Scheiben leichtes Knäckebrot. Drei-Gänge-Menüs mit einer Suppe und einem Dessert, die es in jeder Hütte gibt, und ein ausgiebiges Frühstücksbuffet; auch daran könnte ich mich sehr gut gewöhnen. — Den Abend verbringe ich mit dem Weiterlesen des “Schönes Berlin” Buches. Es ist ein Bildband, der primär auf die historische Entstehung der Gebäude und allgemein Berlins eingeht, was ich interessant finde.

Fr., 11.09 Østerbø Fjellstove 09:00 – Geiterygghytta 16:15

Mmh ganz viel leckeres Frühstück. Ich mache mir zwei Lunchpakete: Eins mit fertig belegten Brötchen für heute und eins mit einzelnen Scheiben Brot, Käse, Schicken etc. für morgen. Gut gestärkt geht es um kurz nach 9 Uhr los. — Die ersten hundert Meter sind immer unruhig. Meine Devise ist, erst mal loskommen und dies nicht zu spät. Auf den ersten Metern werden gegebenenfalls die Wanderschuhe noch mal nachgeschnürt, da man erst beim Gehen merkt, ob sie zu locker oder fest sitzen. Und sie sollen für die nächsten Stunden ja richtig sitzen. Am Rucksack wird noch mal hier und dort gezupft, da das Gewicht jeden Tag ein bisschen anders verteilt ist. All dies tue ich während des Gehens, ebenso werden noch die Lippen und Hände für die nächsten Stunden [in der rauen Natur] eingecremt. Noch ein mal nachdenken, ob man alles eingepackt hat, insbesondere die Sachen aus dem Trockenraum. Dann kehrt die Ruhe ein, alles sitzt und die lange Wanderung kann los gehen. — Die ersten eineinhalb Stunden bin ich tief in meinen Gedanken versunken. Die ersten vier Wanderstunden entsprechen den dreieinhalb letzten Wanderstunden von vorgestern. Ich muss zurück bis zur Kreuzung, kenne den Weg entsprechend und genügend Fotos wurden auch schon gemacht. — Die ersten zwei Pausen gibt es nur Kekse. Ich habe gut gefrühstückt und will mir nicht zu Beginn den Bauch zu voll schlagen. — Ich laufe eigentlich nicht gerne einen Weg zwei Mal so kurz hintereinander. Aber dieser Weg, der nun aus dem Aurlandsdalen führt, ist echt schön, weshalb dieses okay ist. — Es ist 12:40 Uhr. Bisher kam ich erstaunlich schnell und ohne großen Pausen voran. Ich bin kurz hinter der Kreuzung, aber ab hier sind es auch noch drei Stunden reine Wanderzeit. Es gibt ein Käse-Wurst-Tomaten-Gurken-Bacon Sandwich und einen Keks, während ich auf einen schönen Wasserfall gucke. — Eben war noch Sonne da. Dann wurde sie plötzlich von den Wolken verdeckt und ein starker Wind bläst mir seitdem direkt ins Gesicht und auf die Brust. — Dieser verdammte Wind. Nicht nur ein mal verfluche ich ihn. Mir reicht es, ich ziehe mir eine weitere Schicht [Klamotten] und Handschuhe an. — Es geht weiter und weiter bergauf. Ich bin auch schon wieder auf über 1200m. — Ich schmeiße mich hinter einen kleinen Hügel, wo es windgeschützt ist und mache Pause. Ich öffne die zweite Packung Beef Jerky. die ich nun seit fast vier Wochen mit mir rumschleppe. Man sollte immer irgendwas dabei haben, was einen, wenn man nicht mehr kann oder will, einen Kick gibt. Genau dafür habe ich es mir auch so lange aufgespart. Aber nun muss ich nur noch heute und morgen wandern und kann entsprechend beherzt zu greifen. — Dieser Wind. Ich ziehe eine weitere Schicht, einen dicken Pullover, an. — Mittlerweile kommt der Wind von der Seite, was angenehmer als von vorne ist. Dafür drückt er mich aber auch stark seitwärts. — Pause hinter einer warmen [Fels-] Ecke. Nach dem Essen strecke ich meine Füße aus, lege mich auf meine Jacke, schließe die Augen und drehe meinen Kopf zur Sonne. Entspannung. — Bis auf die letzte Stunde fühlte es sich heute irgendwie wie ein Spaziergang an, dabei war die Wanderung gestern noch so anstrengend, was ich [heute] beim Aufwachen noch merkte. Vielleicht war meine Nackenmuskulatur entspannt, da ich gestern den Tag ohne den großen Rucksack lief. Zudem machte ich längere, entspannende Pausen. Am Ende bog ich um eine Ecke und da war die Hütte. Einchecken, schauen, was wo ist, duschen, umziehen, ins Wohnzimmer setzen. Entspannung. — Vor dieser Wanderung hatte ich Respekt, es war die letzte “große”. Von hieraus ist Finse – mein Ziel – nur noch fünf Wanderstunden entfernt. So langsam kommt das Ende dieser Reise, dieses Abenteuers. Aber erst mal freue ich mich – wie immer ;-) – aufs Essen. Wie fast immer gibt es dieses um 19 Uhr. Bleibt noch ein bisschen Zeit zum Schreiben und Lesen. — Ich bin kaputt und sitze erschöpft in einer Sofaecke. Aber in 15 Minuten gibt es Essen, das wird mir wieder Leben einhauchen. — 14 Leute sitzen mit mir am Tisch. Die Teller von 13 Leuten sind bereits abgeräumt, da sie längst fertig sind. Nur der dünne Junge isst noch … bis die Essensschalen schließlich leer sind. — Ein Mann gegenüber bietet mir an, Tee für mich zu holen und sagt grinsend “You have the choice between Earl Grey, Earl Grey and Earl Grey”. Ich antworte nüchtern und schmunzelnd “Like always”. Ein lustiger Moment. [Auf den Hütten gibt es fast immer nur diese eine Sorte, was auch jedem bekannt ist.] — Ach ja Drei-Gänge-Menüs, daran könnte ich mich gewöhnen. Mehrmals, wie etwa gestern Nacht, dachte ich übers Essen nach, darüber was man alles kochen könnte. All dies schrieb ich fein säuberlich und nach Frühstück, Vortisch [eigentlich Vorspeise], Dessert und Hauptgang kategorisiert auf. Auch Punkte wie Brot backen stehen auf der Liste. All diese Dinge will ich lernen, selbst mal ein Drei-Gänge-Menü kochen und allgemein häufiger mal kochen. Mal sehen, was aus diesen Plänen wird, wenn ich Zuhause bin. Ich hoffe, ich verwirkliche sie und koche einige der aufgeschrieben Gerichte beziehungsweise eher lerne sie zu kochen/backen. — Ich fand noch ein englisches Buch und fing es abends in dem gemütlichen Wohnzimmer an zu lesen (dazu gab es Schokokekse).

Sa., 12.09 Geiterygghytta 08:30 – Finse 13:45

Ich sehe vor mir Schneeberge und freue mich. — Ich bin ein bisschen Träge, aber ich muss auch nur fünf Stunden wandern, hab also alle Zeit der Welt und den Rucksack voller Essen (weshalb ich heute morgen auch kein Buffet aß.) — Es fängt stark an zu regnen. Ich ziehe meine Regensachen an, die ich seit Tagen nicht mehr brauchte. Während des Anziehens denke ich mir “Das ging auch schon mal schneller.” — Es regnet, strömt und ich glaube, ich bekam irgendwas zwischen Regen, Hagel und Schnee ab. All dies stört mich wenig. Heute könnte wohl vieles passieren, ohne das es mich stört: Sachen kaputt gehen oder das Essen leer gehen. Es ist die letzte Wanderung und mit jedem Schritt komme ich meinem Ziel ein Schritt näher. Und nach vier Wochen bringt mich das Wetter auch nicht mehr aus der Ruhe. Ich habe sogar gefallen daran, noch mal dem starken Wind und dem dollen Regen ausgesetzt zu sein. Dazu geht es bergauf in die (halben) Schneeberge. Oh ja, ich mag das! Die Trägheit ist längst weg. Schnell gehe ich voran. — In Ruhe mache ich mir im Regen ein Brot, die Ruhe ist mit mir. Es ist eine kurze Wanderung und die letzte. Kekse und Beef Jerky werden genascht. — Ich treffe einen Briten. Ich liebe diese Begegnungen hier draußen irgendwo im Nirgendwo. Man trifft sich, quatscht ein bisschen und geht wieder auseinander. Anders als in der Stadt, wo man schnell an allen vorbei läuft. Hier freut man sich, wenn mal mal jemanden sieht und ein bisschen quatschen kann. Der Brite ist Professor und nutzt die Semesterferien [wie ich], um hier zu wandern und zu zelten. — Vor dem Wind geschützt setzt ich mich hinter eine Hütte, die im Winter ein Cafe ist. Ich treffe den Briten wieder. Er setzt sich, wir essen Kekse und unterhalten uns erneut gut. — Nach dem grünen Aurlandsdalen ist es schön noch mal hier oben auf fast 1600m zu sein, wo die Steine schroff und teilweise schneebedeckt sind. Warum auch immer, mag ich diese Landschaft im Allgemeinen sehr. — Mal sehe ich den Briten vor, mal hinter mir. — Als ich ein weiteres Mal an ihm vorbei gehe, zeigt er auf ein paar Hütten in der Ferne. Das ist Finse. — Ich fange vor Freude leise an zu lachen. — Ich reiße die gefühlt schweren Arme nach oben. Das Grinsen in meinem Gesicht ist riesig. Ich verspüre in meinem Körper eine wirklich große Freude. Vier Wochen alleine Wandern; all die Strapazen, aber auch all die Freuden. Ich habe es tatsächlich nach Finse geschafft. Verrückt, verrückt gut! — Noch sind es nur kleine Dächer, vermutlich noch 45 Minuten entfernt. Schon vorher ging ich zügig, aber nun laufe ich (gefühlt) fast. Das Lachen in meinem Gesicht ist immer noch da. — Nun sehe ich auch meine Hütte. Ich mache Pause; eine letzte Pause. Ich mache mir ein Brot, es gibt Kekse und Sweet/Hot Beef Jerky. Entspannt und fröhlich schaue ich auf Finse, das viel größer als in meinen Erinnerungen ist. — Nachdem es die letzten Stunde trocken und “nur” windig war, fängt es nun am Ende in Strömen an zu regnen. Dies ist mir ziemlich egal. — Mit einem breiten Grinsen bis über beide Ohren laufe ich im strömenden Regen durch Finse. Die Leute gucken mich an, vermutlich aufgrund meiner Fröhlichkeit bei diesem Wetter. — In großen Schritten komme ich der Hütte näher. Von der Treppe [vor der Hütte] nehme ich nur jede zweite Stufe, während mir der Regen ins Gesicht schlägt. Ich bin da. — Einchecken, Bett suchen, Duschen, … ah, Entspannung. Ich sitze im Wohnzimmer, schaue durch das große Fenster auf den See und die Berge. Draußen regnet es immer noch. Ich sitze von der Dusche erfrischt im Warmen und genieße als quasi Belohnung eine Waffel. — Oben im Zimmer gibt es noch Knäckebrot mit viel Sjokade und auch eine Scheibe mit Käse. Aber nun bin ich wieder zurück im Wohnzimmer, beobachte die Wellen auf dem See, während ich mich immer noch verdammt gut fühle. — Ich habe schließlich das Ende meines Buches gelesen; ich hielt dies für einen guten Moment. — Noch immer sitze ich hier mit dem Blick auf die Wellen des Sees. Ich merke die Anstrengung der letzten Tage. Inzwischen ist es voll geworden; es ist Samstag. Unter anderem ist eine riesige Gruppe Radfahrer angekommen. Dieses Gebiet ist populär für Radfahrer. — Es gibt Buffet zum Essen. Eine willkommene Abwechslung, da sich das Essen ansonsten schon ähnelt: Kartoffeln, Karotten, Brokkoli und wechselndes Fleisch. Eben typisch norwegisch. — Ich esse … zu viel, vermutlich weil es so viel gibt, ich morgen nicht mehr wandern muss, … Ich sehe die Frau von dem norwegischen Pärchen [im Speisesaal] wieder, aber mir ist schlecht. Ich lege mich ins Bett und gehe anschließen kurz draußen spazieren. — Ich gehe zu dem norwegischen Pärchen; wir alle haben ein Lachen auf dem Gesicht. Es ist eine fröhliche Atmosphäre. Zum wiederholten Male treffen wir uns unerwartet wieder. Einmal trennte sich unser Weg, da ich aber eine lange Pause an einer Hütte machte, holten sie mich wieder ein. Diesmal machte ich einen Schlenker ins Aurlandsdalen. Sie wanderten langsamer und blieben an dieser Hütte, da sie hier Freunde trafen. Es ist eine Freude sie wiederzusehen. Am Anfang waren wir uns echt distanziert. Die beiden sind eher ruhig und still wie ich auch. Aber nach und nach verstanden wir uns immer besser. Wir haben ein ähnliches “Hüttenverhalten”: Etwa abends die Knäckebrotzeit kurz vor dem Schlafen, das frühe Aufstehen, der Kakoa nach der Ankunft … wir kommen gut klar miteinander. — Verrückt, dass ich es getan habe, und verrückt, dass ich es geschafft habe. Es gibt Kvikk Lunsj [norwegisches Kit Kat]. Bis eben las ich ein weiteres Buch, welches ich gestern aus der Hütte mitnahm. Oft lese beziehungsweise gucke ich mir auch norwegische Kinderbücher an, die viele Bilder und nur kurze, norwegische Texte beinhalten. Insbesondere die, die Wissen etwa über die Geschichte oder unsere Maschinen vermitteln. Es gibt echt liebevoll gestaltete Kinderbücher mit schönen Grafiken. Aber auch etwa Asterix und Obelix gucke ich mir gerne an. — Happy! — So Recht kann ich es gar nicht glauben, dass ich es geschafft habe und dass es schon vorbei ist. Der Monat (ein Zwölf­tel des Jahres) verging so fix.

So., 13.09 Finse

Der Morgen ist super entspannend. Normalerweise bin ich einer der erste auf der Strecke; heute nicht. Ich frühstücke ganz entspannt über eine Stunde lang, auch um nicht zu schnell zu essen. Dabei lese ich teils mein Buch teils unterhalte ich mich mit meinen Sitznachbarn. — Gemütlich packe ich meine Sachen zusammen. Ich habe die Ruhe weg. — Ich sagen den zwei Deutschen auf Wiedersehen, mit denen ich gestern und heute ein bisschen redete. Von einer Frau werde ich, vermutlich weil ich gerade Deutsch rede, auf meinen Gästebucheintrag angesprochen. In diesem schrieb ich (wie üblich in Gästebüchern) meinen Trip mit jeder Etappe und wo ich herkomme. Im ersten Moment bin ich etwas verdutzt, als sie mich darauf ansprach. — Und – mal wieder :-) – sage ich dem norwegischen Pärchen auf Wiedersehen. Wir scherzen, ich könne sie ja noch in der nächsten Hütte heute besuchen. Diese sei ja nur 10 Stunden entfernt :D — Es ist nach 10 Uhr, so mittlerweile ist hier Ruhe eingekehrt. Die meisten sind weiter gezogen. Ich gehe wohl auch gleich mal los. — Es regnet stark, was mir aber egal ist. Die ersten Meter sind die selben ersten Meter meines Trips von vor einem Jahr. Es geht wieder über die über 60m lange Brücke, Richtung Süden über den See. An der Kreuzung biege ich ab Richtung Gletscher und verlasse den bekannten Weg. Es ist nebelig, wodurch man nur ein paar Meter weit sehen kann, und es regnet immer noch stark. — Noch den Berg hoch, dann drehe ich mich um. — Hinter einem großen Felsen finde ich Schutz und packe mein Essen aus. Schließlich setzt sich eine Frau zu mir. Wieder dieser schöne Moment. Man trifft sich, setzt sich kurz zusammen, aufgrund des Wetters steckt man die Kopfe dicht zusammen, unterhält sich nett und geht wieder getrennte Wege. Ich gehe zurück [zur Hütte]. — Wieder an der Hütte angekommen sind ich und vor allem mein Rucksack nass. Aber es gibt ja zum Glück Trockenräume. Alles wird aufgehängt; ich selbst springe unter die Dusche und könne mir anschließend eine warme Schokolade. Herrlich, ich sitze auf dem Platz von gestern, beobachte die Wellen auf dem See und den Regen, während ich frisch geduscht die heiße Schokolade genieße.

Erster Teil: Northward to the Sognefjord | Zweiter Teil: Westward to Fannaråki | Dritter Teil: Southward to Skarvheimen

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